The Matrix: Resurrections

geschrieben von Steven Black:

Dies ist eine persönliche, komplett subjektive Beschreibung des neuen MATRIX Films – The Matrix:Resurrections. Sie ist nicht Spoiler frei, also wenn du den Film unbeeinflusst sehen möchtest, lies sie besser nicht.

Eine Geschichte innerhalb vieler Geschichten

Es gibt bereits einige, besonders im deutschsprachigen Bereich, ziemlich negative Bewertungen des neuen Matrix Films. Sie reichen von – „ein Film, den niemand braucht“, „schwächster aller Matrixfilme“, bis zu „schlimmster Film des Jahres“. Von YouTube Film Influencern, Podcasts und Artikeln. Ich habe viele von ihnen gehört, gesehen und gelesen. Bevor ich den Film selbst sehen konnte. Als großer Matrix Fan ging ich also eher mit gemischten Gefühlen ins Kino.

Und nachdem ich ihn jetzt gesehen habe, ist mir vor allem eines klar: Die haben den Film überhaupt nicht verstanden.

Zugegeben, das ist auch gar nicht so einfach. Dieser Film ist so vieles in einem.

Wer nur auf die Action fixiert ist und solch bahnbrechende Actionsequenzen erwartet, wie sie in den vergangenen Filmen zu sehen waren, dessen Erwartungen werden nicht erfüllt werden. Sicher, die Actionszenen sind nach wie vor großartig, wie man es von einem Actionkoordinator wie Chad Stahelski erwarten kann (Stuntkoordinator aller Matrix Teile, Produzent von John Wick, etc.) Aber nicht grade revolutionär neues. Auch die CGI Szenen sind toll, aber nichts was man nicht schon in den vorherigen Titeln gesehen hätte. Damals waren die „bullet time“ Spezialeffekte ein bahnbrechendes „WOW“ Erlebnis.

Der „bullet time“ Effekt ermöglicht die Perspektive einer einzigen Kameraaufnahme, um ein in der Zeit eingefrorenes Objekt herum. Er macht schnelle Geschehnisse, wie eben fliegende Pistolenkugeln, genau und von verschiedenen Blickwinkeln gleichzeitig sichtbar. Verlangsamungen bis hin zum Stillstand und sogar rückwärtslaufende Zeit sind dadurch ebenfalls möglich.

Der filmische „bullet time“ Effekt wird natürlich nicht durch eine echte Kamerafahrt erreicht. Vielmehr handelt es sich um eine Aneinanderreihung von vielen Einzelbildern derselben Szene durch mehrere Kameras, wodurch der optische Eindruck einer einzigen Kamerafahrt entsteht. Das Prinzip des Effektes wird seit 1957 in Filmen verwendet.

Aber erst der VFX Guru, John Gaeta, der zuständige Visual Effects Supervisor der alten Matrixfilme, verbesserte das Konzept auf eine revolutionäre Weise, die heute Hollywood Standard ist. Er verwendete 122 Einzelkameras und zwei Bewegtbildkameras, die er rund um die jeweiligen Szenen aufstellen ließ. Das ganze wird dann durch den massiven Einsatz von CGI Techniken, im Computer zu einer einzigen, real wirkenden Kameraaufnahme generiert.

Und diese Aufnahmen gibt es natürlich auch diesmal, aber auf eine eher abweichende Weise. Für diejenigen unter uns, welche die Story des ersten Teils geliebt haben und bei den 2 nachfolgenden Matrixfilmen eine kongruente Fortsetzung der Story vermisst haben – auf eine erfreuliche Art. Weil in diesem Film die Actionszenen eher zweitrangig sind und der Fokus mehr auf der Story liegt.

Klar, es gibt coole Actionszenen, Neo wirft Kugeln zurück, die Realität wird so oft gedehnt, wie nur möglich, aber der Hauptfaden liegt auf der Story, die Action ist eher Beiwerk. Während es meines Erachtens, bei den letzten beiden Teilen eher umgekehrt war. Da waren die Story eher Beiwerk, um die vielen Kampfszenen zu rechtfertigen.

In dieser neuen Story wurde so vieles miteinander verwoben, dass man durchaus etwas Aufmerksamkeit mitbringen muss, um zu verstehen, was Lana Wachsowski und ihre Co Autoren uns damit sagen wollen. Wer nur ins Kino geht, um sich berieseln zu lassen, könnte eventuell einiges nicht mitkriegen.

Es ist einerseits eine Liebesgeschichte, aber enthält eben auch sämtliche Elemente der klassischen Heldenreise. Darum herum werden durch Dialoge und Monologe der Protagonisten und Szenen wechselnder Realitäten, grundlegende philosophische Fragen aufgeworfen, die seit Menschheitsgedenken existieren.

Was ist wahr, was falsch? Was ist die Realität? Und wer bestimmt das?

Das dystopische Konstrukt einer MATRIX, die von einem Architekten und Maschinen entworfen wurde, um die Menschheit in einer Illusion gefangen zu halten, in einer simulierten Realität, um ihre Lebensenergie abzusaugen, welche dieser Matrix überhaupt erst erlaubt zu existieren, hat viele Verschwörungstheorien entstehen lassen, die man gerade in spirituellen Kreisen wiederfindet.

Da sind es dann halt irgendwelche Aliens, Archonten, Anunakki, anstatt des Architekten in der MATRIX.

Grundsätzlich muss man dazu erstmal sagen, dass Lana Wachowski dieses Szenario lediglich als ein STILMITTEL benutzt, um grundlegende philosophische Konzepte zu transportieren und die Fragen, die sich darum drehen. Für die Wachowski Schwestern ging es nie darum, einen quasi Alleinschuldigen oder Sündenbock – wie ihn der Architekt oder die Maschinen verkörperten – zu benennen.

Das ist lediglich ein Mittel zum Zweck, um die Geschichte erzählen zu können. Eine Rezeptzutat, um den Kuchen überhaupt backen zu können.

Die Matrixfilme waren seit Beginn als eine Metapher und Allegorie gedacht, welche die Konflikte zwischen subjektiver Realität versus Massenbewusstsein beleuchtet. Das Thema des Aufwachsens aus der Matrix, wurde als eine Erkenntnisreise erzählt, wonach die kollektiven Überzeugungen der Masse, nicht über die Einzelüberzeugung einer Person stehen sollten. Vor allem nicht über die eigene Wahrnehmung, wer man ist oder wen und was man liebt.

Viele Menschen haben das vollkommen anders interpretiert. „Aufwachen aus der Matrix“ wurde zum spirituellen Code, über eine Befreiung von äußeren sinisteren Kräften, wie den Archonten, der Kabale, blablabla.

Man sollte im Blickfeld behalten, dass die Wachowskis Transgender Persönlichkeiten sind und in „die Matrix“ erzählten sie eigentlich nicht anderes als ihre eigene Bewusstseinsreise und Transformation über das Massenbewusstsein. In einer Welt, in der die biologischen Fakten, entweder Mann oder Frau zu sein und die eigene sexuelle Präferenz davon abhängig gemacht wird, aber gleichzeitig Menschen für die der biologische Fakt nicht gleichbedeutend wie Identität ist, die sich oft weder dem einen oder anderem Geschlecht zugehörig fühlen, sozial auszuschließen und abzuwerten, ist es ein Akt der Revolution gewesen, sich dazu zu bekennen und zu outen.

The Matrix films are about being transgender, the trilogy’s co-director says.

„That was the original intention but the world wasn’t quite ready,“ says Lilly Wachowski, who came out as trans along with her sister Lana after the films came out.“

„For years, I couldn’t even say the words ‚transgendered‘ or ‚transsexual‘.

„When I began to admit it to myself, I knew I would eventually have to tell my parents and my brother and my sisters.

„This fact would inject such terror into me that I would not sleep for days. I developed a plan that I worked out with my therapist. It was going to take three years. Maybe five.“

Das ist „das Massenbewusstsein“ und die Wachowskis haben sich davon befreit. Das ist die Bedeutung der „roten Pille“. Die Überwindung der Angst, nicht den Überzeugungen der Anderen zu entsprechen. Und zu wagen, der zu sein, der du bist. Die Wachowskis haben sich von den inneren Überzeugungen gelöst, wonach es angeblich falsch wäre, wie sie sich fühlen. Überzeugungen, die sie selbst lange hatten, weil sie eben auch durch die kollektiven und sozialen Überzeugungen geprägt wurden – wie wir alle.

Das geniale am Matrixkonzept ist, dass es weder ans Transgender Thema, noch an ein anderes Thema gebunden ist. Durch das dystopische Szenario kann man grundsätzlich alle möglichen Themen kolportieren, die eine bestimmte Relevanz mit inneren Kämpfen und Konflikten haben, die man dann durch äußere Kämpfe verbildlichen kann. Das ist auch der tiefere Sinn der Actionsequenzen – für die eigenen Überzeugungen zu kämpfen, auch wenn sonst niemand daran glaubt.

Wer bestimmt, was du glauben oder fühlen sollst? Der Glaube an irgendeinen Gott, die kollektive Mehrheit oder du selbst?

Ich würde übrigens empfehlen, diese Fragen nicht im falschen Kontext zu gebrauchen. Es gibt eine Menge kollektiv gültiger Regeln, die absolut Sinn machen. Dazu gehört es beispielsweise, nicht bei Rot die Straße zu überqueren, Sicherheitsgurte zu verwenden oder Motorradhelme. Es würde keinen großen Sinn machen, bei Rot einfach die Straßen zu überqueren, keine Gurte mehr zu verwenden oder ohne Helm zu fahren, weil ich mich grade danach fühle – „und niemand diktiert mir, wie ich mich fühlen soll“. Realitätsverweigerung ist einfach nur doof.

Und wenn wir schon mal dabei sind:

Wer sich mit solchen Fragen auseinandersetzt, wird sich auch damit auseinandersetzen müssen, ob die Gefühle, die er zu irgendeinem Thema hat, eine aktuelle, wahre Bedeutung haben. Ob das, was er grade fühlt tatsächlich auch richtig ist. Ob der Inhalt seiner Überzeugungen die aktuelle Realität spiegeln oder ob es nur ein Mindfuck ist. Bevor man sich damit nicht auseinandergesetzt hat, kann man gar keine richtige Entscheidung dazu treffen. Nicht alles was wir glauben muss auch wahr sein, das gleiche gilt für die emotionale Wahrnehmung.

Aber es gibt selbstverständlich kollektive Überzeugungen, die veraltet sind, die vielleicht nicht mehr zu mir persönlich passen, speziell wenn sie mit der eigenen Identität zu tun haben oder was ich über mich selbst glauben soll. Wir alle werden immer wieder zur Selbstaktualisierung aufgerufen. Ob wir dem auch folgen ist aber eine völlig andere Geschichte.

Abgesehen davon bin ich mir ziemlich sicher, dass auch diesmal wieder diverse Dialoge oder Szenen des Filmes dafür benutzt werden, sie für das eigene Mindset umzudeuten. 

Nachdem „NEO“ und „TRINITY“ im dritten und damals letzten Teil gestorben sind und ihr Tod ein Opfer zur Befreiung der Menschheit war, der Frieden zwischen den Maschinen und den Menschen brachte, war ich ziemlich neugierig darauf, durch welches Kunststück ihre Wiederauferstehung erfolgen sollte.

Und ich wurde nicht enttäuscht.

Der Architekt, das Orakel und auch die Exilanten Programme wurden von den Maschinen aus der Matrix entfernt. Der neue Leiter der Matrix ist “der Analytiker”. Ein weiteres Programm der Maschinen.

Zuerst wird einem vermittelt, dass anscheinend eine Fraktion innerhalb der Maschinen dafür gesorgt hatte, Neo und Trinity zu verstecken und sie wieder Instand zu setzen. Etwas später erfährt man, dass es zum Plan des Analytikers gehörte, Neo wieder zu reaktivieren und ihn wieder in die Matrix einzuspeisen, wenn auch nur als ein eher redundantes, weniger selbstaktives Programm. Der Analytiker, großartig gespielt von Neil Patrick Harris, hatte die Maschinen dazu gebracht, die Körper von Neo und Trinity zu verstecken und neu zusammenzubauen.

Natürlich geht der Plan des Analytikers nicht auf, Neo wäre nicht Neo, wenn er nicht einen Weg finden würde, dem Analytiker und den Maschinen die Suppe zu versalzen und ihm eins auf die Nase zu geben – auch buchstäblich. Aber das ist das Happy End, zuvor macht man jedoch mit einem etwas depressiven Neo Bekanntschaft, der als Thomas Anderson in der Matrix lebt. Dort glaubt er, er wäre ein berühmter Videospielentwickler, der 3 Teile eines Spiels namens „die Matrix“ entwickelt hatte. Er hat alles vergessen, wer und was er einst war. Und er glaubt an Wahnvorstellungen zu leiden, weswegen er zum Psychiater geht. Der wiederum niemand anders als der Analytiker ist, bzw., ein Programm der Maschinen, um ihn zu manipulieren.

Erst als die Rekruten des jetzigen “Generals“ in IO, die wir als NIOBE kannten, den Code des „Thomas Anderson Programms“ in der Matrix entdecken und NEO aufspüren und mit der Wahrheit konfrontieren, wacht er wieder auf.

Außer Neo und Trinity sind nur wenige (Jada Pinkett Smith, Daniel Bernhardt und Lambert Wilson) der alten Filmbesetzung geblieben. Die neue Truppe besteht aus jungen, neuen Enthusiasten, was dem Film aber keinen Abbruch tut

Neo muss sich erneut durch Krisen und Selbstzweifel quälen. Er muss wieder neu lernen, was er schon wusste. Neo muss sich selbst wiederfinden.

Die Maschinen und der Analytiker haben ein Problem – wenn Neo nicht in der Matrix ist, dann destabilisiert sie sich. Trinitys Rettung reduzierte sich für den Architekten nur auf den einen Grund, dass er ein Druckmittel gegen Neo in der Hand haben würde, sowie seine Erkenntnis, dass die beiden zusammen besonders viel Energie absondern würden, weswegen er ihre Körperbehälter in der „realen Welt“ nicht weit auseinander hielt.

Neo und seine Truppe versuchen Trinity aus ihrem Flüssigtank im „Anomaleum“ zu befreien und ihr Gehirn aus der Matrix abzukoppeln, während der Analyst Neo vor die Entscheidung stellt, entweder zurück in die Matrix zu gehen oder Trinity wird sterben.

Ein ziemlich dummer Stunt, wie sich erweisen wird ..

Mit Hilfe von Sati, die wir noch als das junge Mädchen kennen, dass oft mit dem Orakel zu sehen war und NEO einst in „Matrix Reloaded“, in Begleitung ihres Vaters im U-Bahnschacht begegnete, wo er damals aufwachte, wird der Plan umgesetzt. Sati war einst „das Programm ohne Zweck“, das gelöscht werden sollte, aber vom Merowinger gerettet wurde, weil ihr Vater ihm die Baupläne für die Flüssigtanks übergab, die der Architekt für Trinity und Neos Wiederherstellung brauchte. Deswegen kennt Sati auch die Pläne und weiß, wie man vorgehen muss, um Trinity zu befreien und den Analytiker auszutricksen.

Wie gesagt, diese äußeren Kämpfe sind das schmückende Beiwerk, welche die Hürden und Widerstände symbolisieren, die ein Mensch manchmal überwinden muss, auf der Reise zur Entscheidungsfindung.

Der darauf folgende Showdown ist großartig inszeniert und den möchte ich auch nicht spoilern.

Der Film enthält zahllose Selbstparodien und Rückbezugnahmungen auf die alten Filme. Er enthält auch einige Oh’s, aha, ähm-okay, ne Menge WHAT?? und WTF Momente.

Einige der in dicker Ironie verpackten Aussagen, dürften eine gewisse Authentizität besitzen. Wie etwa, wo Thomas Anderson vom Firmenbesitzer (der neue/alte Agent Smith) gesagt bekommt, dass „Warner Brothers“ ihn zwingen würde, ein neues Matrix Spiel zu machen, entweder mit ihm oder ohne ihn. Das dürfte einen aktuellen Bezug dazu haben, warum Lana Wachowski den neuen Film überhaupt gemacht hat.

Ob das wirklich stimmt oder nicht – wen interessierts? Was mich mehr interessiert, ist, dass wir einen neuen Matrixfilm bekommen haben, dessen Grundlagen nicht aktueller sein könnten. In einer Zeit, wo Fakten weniger wie Meinung zu zählen scheinen, ist es umso wichtiger, die Fragen nach dem warum, was richtig oder falsch ist, immer wieder neu zu stellen. Und sie für uns selbst immer wieder neu zu beantworten.

Seht ihn euch an und macht euch selbst ein Bild davon. Mir hat er sehr gut gefallen.

See you next time same station ..

Quellennachweis:

https://www.bbc.com/news/newsbeat-53692435

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@ Steven Black

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