Die Entzauberung der Realität

     geschrieben von Steven Black:

Wer sich mit spirituellen Lehren befasst und wem klar ist, dass seine menschliche Identität wahrscheinlich nicht der Weisheit letzter Schluss ist, begibt sich dann oft auf die Suche nach seinem “wahren Selbst”. Es gibt unglaublich viele Bücher und durchaus interessante Aussagen darüber. Gleichzeitig wird in solchen Büchern dann “das Ego” – also deine menschliche Identität, verteufelt. Und eigentlich alles, was das Menschsein ausmacht, wird als zweitklassig betrachtet. Einige versteigen sich auch zu sehr extremen Aussagen, wonach es überhaupt kein Selbst und daher kein Ich gäbe. Alles einfach nur eine große Illusion, die von deinem Verstand erzeugt wird.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Spannenderweise gibt es auch Überlegungen der Neurophilosophen, die in eine ähnliche Kerbe schlagen. Dabei werden neueste Forschungsergebnisse der Hirnforschung in philosophische Argumentationen einbezogen. Die Neurophilosophie erforscht die Beziehung zwischen neuronalen Prozessen und bewusstem Erleben, setzt sich also mit der Wahrnehmung auseinander.

Wie etwa der Philosoph Thomas Metzinger, in seinem Buch – „Der Ego-Tunnel. Eine neue Philosophie des Selbst: von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik“. Zusammenfassend behauptet er darin: “Das Selbst” oder „das Ich“ gibt es eigentlich gar nicht, sondern nur ein sogenanntes „Selbstmodell“, das permanent vom Gehirn produziert wird. Die Vermittlung von neurologischen Erkenntnissen ist ziemlich interessant, die Schlussforderung allerdings, dass das Ich (und damit eigentlich auch die Realität an sich) einfach nur ein Produkt des Verstandes wäre, ist dann doch zu einfach.

Eigentlich trifft das genau meinen Sinn für Humor: Lass mal im Gehirn nachschauen, ob wir ein Selbst finden, – oh, wir haben keines gefunden, also gibt es das gar nicht. Das finde ich schon sehr ironisch ..

Während nicht geleugnet werden kann, dass unser Gehirn vielfältige Aufgaben im Kontext der Realitätswahrnehmung übernimmt, die bei etwaigen Gehirnschäden oftmals nicht mehr korrekt ausgeführt werden können, sollte auch klar sein, dass das Gehirn keine Entität oder die Wesenheit an sich ist. Das Gehirn ist eine operative Einheit des Wesens, zugeschnitten auf das menschliche Erleben, die bei Beschädigung ziemliche Probleme für das Wesen erzeugen wird, aber nicht das Wesen an sich ist.

Vielen der alten Weisheitslehrer ging es übrigens genauso. Bei der Suche nach dem Ich, konnten sie keines lokalisieren. Nicht im Kopf, nicht im Herzen oder sonst wo im Körper. Was sie fanden, waren stets verschiedenste, konditionierte Prägungen von Ich und Hunderte verschiedene innere Stimmen, die alle davon sprachen, Ich zu sein. Bei einigen Weisheitslehren mündete dies dann in die Schlussfolgerung, es gäbe kein Selbst, sondern nur Bewusstsein. Selbstverständlich göttliches Bewusstsein ..

Und dass alle unsere Erfahrungen, unsere Wahrnehmungen, Empfindungen, Träume, Gedanken und Gefühle nur in unserem Bewusstsein erscheinen würden. Die “Dinge” würde einfach so passieren und man habe grundsätzlich keine freie Wahl oder die Möglichkeit zu eigenen Entscheidungen, dies sei nur eine Illusion, weil es doch gar kein individuelles Selbst gäbe. Es gäbe nur reines göttliches Bewusstsein.

Du selbst kannst also weder die Ursache für deine Handlungen, deine Gefühle und Emotionen oder überhaupt für deine Existenz sein. Denn da würde es ja niemanden geben, der irgendeine Verantwortung für Handlungen, Gefühle oder Existenz haben könnte.

Na gut, wenn es da also niemanden gibt, wer zum Teufel ist es dann, der mit solchen Botschaften um sich wirft? Wer ist es, der einem solche Geschichten erzählt? Niemand? Und an wen richten sich solche Aussagen, wenn es doch angeblich niemanden gibt? Niemand spricht zu niemand?

Die Mechanismen der Wahrnehmung

Wenn es um die Wahrnehmung der Wirklichkeit und speziell um die Objektivität von Wahrnehmungen geht, wird gerne auf Erkenntnisse der Physik und Neurobiologie verwiesen. Ein besonders eindrückliches Beispiel sind die Erkenntnisse über Farbwahrnehmungen. Unsere Welt ist bunt und voller Farben, wir sehen rote Rosen, grüne Wiesen, blauen Himmel, etc. Das Interessante dabei ist, – in der Natur gibt es eigentlich keine Farben, sondern nur elektromagnetische Strahlung. Der Bereich der elektromagnetischen Strahlung, der als Licht bezeichnet wird, hat eine Wellenlänge von 450 bis 700 Nanometern. 

Farbenwahrnehmung ist eine subjektive Erfahrung, die durch die Verarbeitung elektromagnetischer Sinnesreize entsteht, die auf die Netzhaut unseres Auges getroffen sind. Wir sind dadurch in der Lage, bis zu 2,3 Millionen Farbtöne voneinander zu unterscheiden.  

@ Wikipedia

Wir Menschen registrieren dabei nur einen winzig kleinen Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums – die Wellenlängen von 400 bis 700 Nanometer, die zwischen Ultraviolett und Infrarot existieren.

Die nächste Frage wäre, – ist mein Blau auch dein Blau? Sehen wir alle die gleiche Farbe?

Offensichtlich ja. Zumindest weitestgehend ähnlich. Ausgenommen davon sind Menschen, die eine sogenannte “Rot-grün-Schwäche” aufweisen.

Die Organisation unserer Wahrnehmungen wird durch die Mechanismen unserer ausgebildeten Gehörsinne, Sehsinne, kinetische Körperempfindungen und Gefühlswahrnehmungen gelenkt, also das ganze Spektrum des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens und Tasten. Es gibt aber auch Menschen, bei denen die Wahrnehmung etwas anders umgesetzt wird. Man nennt sie „Synästhetiker„. Synästhesie bedeutet eine “Vermischung der Sinne” und ist keine Krankheit, sondern eine spezielle Fähigkeit der Wahrnehmung. Sie können Farben nicht nur sehen, sondern auch hören, manchmal auch schmecken. Beim lesen von Texten können Buchstaben ihnen als Farben erscheinen.

Das führt uns zu der Erkenntnis, dass unsere Wahrnehmungen anscheinend keine vollständige Wiedergabe einer objektiven Außenwelt erlauben. Wir haben keinen direkten Blick zu einer objektiven Realität. Wir haben eine personalisierte, subjektive Wahrnehmung der Realität und wir selbst sind Teil ihrer Erzeugung.

Offensichtlich benötigen wir unglaublich faszinierend arbeitende Organe, um alle möglichen Signale in eine verständliche Realität umzuwandeln. Wir brauchen Hörorgane um Schallwellen in Sprache, Musik oder zahllose andere Signaldarstellungen umzuwandeln. Augen, um elektromagnetische Quellen in Bilder zu verwandeln. Etwa 130 Millionen Sehsinneszellen stellen permanent eine bildgebende Funktion sicher. Unsere Zunge gibt uns Geschmackseindrücke. Unsere Haut ermöglicht taktile und haptische Wahrnehmung. Und die von unseren Sinnesorganen empfangenen Signale werden alle durch das Gehirn decodiert, müssen von uns interpretiert und in einen Kontext gesetzt werden. Dazu zählen auch unsere feinstofflichen Felder. Diese indirekten Fenster zur Realität, die wir nutzen, geben uns einen persönlichkeitsbezogenen Blickwinkel.

Alle diese Signale und Wahrnehmungen sind nicht einfach Erscheinungen, die von nirgends kommen und nirgendwo hingehen. Es gibt klare Sender und persönliche Empfänger dieser Signale. 

Es ist eine Sache, die Mechanismen der Wahrnehmung zu verstehen und die Konstruktionen der Realität anzuerkennen, aber eine ganz andere, dies nur als eine Halluzination bzw. Illusion des Verstandes anzusehen. Wir alle verstehen die Mechanismen, weshalb ein Auto fährt und funktioniert. Aber ich hab deswegen noch niemanden sagen hören, Autos wären nur eine Illusion des Verstandes. Man freut sich, eines zu besitzen, setzt sich rein, startet und genießt die Tatsache des Fahrens.

Och nee, lass mal n bisschen am Mechanismus rummäkeln ..         

Life is a first person adventure

Auch wenn der Begriff “göttliches Bewusstsein” zum “geflügelten Wort in spirituellen Gruppen wurde, ist das Bewusstsein keine Ursache von irgendwas, sondern ein ATTRIBUT eines Wesens. Das Bewusstsein ist eine Eigenschaft, keine ursächliche Instanz. Bewusstsein ist etwas, was von jemandem benutzt wird und keine selbstwirksame Entität. Ich bin nicht das Bewusstsein, ich habe eines.

Wenn ich keine Verantwortung dafür übernehme, was in meinem Bewusstsein so herumläuft, wenn ich die Dinge nicht bewerte, Kategorisiere und sorgfältig abwäge und in einen Kontext setze, dann kann das Amok laufen. Bewusstsein kann sehr viele Abstufungen haben und ist gleichzeitig ausdehnbar. Wann immer wir etwas neues lernen, neue Erkenntnisse und Erfahrungen machen, dehnen wir unser Bewusstsein aus. Lamentiere ich jahrelang um die gleichen Geschichten herum, kann von Ausdehnung keine Rede sein.

Die Rechnung meiner Miete erscheint nicht einfach so, in meinem Bewusstsein, sondern in meinem Briefkasten und wenn ich mich nicht um deren Bezahlung kümmere, werde ich bald auf der Straße stehen. Und selbstverständlich habe ich die Wahl, diese zu bezahlen oder nicht. Das hat dann aber Konsequenzen, in die eine oder andere Richtung.

Die Rechnung ist an mich persönlich ausgestellt, nicht an irgendjemanden oder niemanden.

Wer je bezweifelt hat, dass die Persönlichkeit eines Menschen ausschlaggebend ist, der möge sich bitte einfach mal einige Musiktitel anhören. Vorzugsweise irgendein bekanntes Lied, welches dann verschiedene Künstler gecovert haben. Du wirst dann vermutlich feststellen, egal, wie gut das Cover sein mag, dass das Original nicht nachmachbar ist. Durch professionelle Gesangstechniken ist es durchaus möglich, ähnlich zu klingen, die Töne richtig zu treffen, usw. Nicht nachmachbar aber ist die Stimme des originalen Sängers. Dessen Stimme ist nicht nur seine Stimme, es ist seine Persönlichkeit, die der Stimme eine unverwechselbare Note verleiht.  

Wer oder was ist das “Ich”?

Identität wird in der Psychologie meist als eine Art Gesamtbild eines Menschen beschrieben, mit all seinen unterschiedlichen Charaktereigenschaften, Neigungen und Bedürfnissen. Unsere Identität ist etwas, womit wir uns selbst identifizieren und von anderen unterscheiden können.

Unsere menschliche Identität beruht auf einem Lernprozess, der mit unserer Geburt als Mensch beginnt und erst mit unserem physischen Ableben enden wird. Deine oder meine Identität wird sich voneinander unterscheiden. Je nachdem, welchen Körper wir haben (Mann oder Frau), in welche Kultur wir hineingeboren wurden, welche Glaubens – und Überzeugungsmuster in unseren Familien vorherrschen (bezüglich Bildung, Geld, Selbstwert, etc.) Das bedeutet, in der Regel identifizieren wir uns ganz selbstverständlich und ohne nachzudenken, mit unserer Familie, dem jeweiligen Land, seiner Kultur, seinen kollektiven Überzeugungen und Bräuchen. Wir übernehmen bereitwillig die möglichen Rollen, Ideen und Traditionen, Überzeugungen und Glaubensbekundungen, die uns angeboten werden.

Während wir durch unsere Entwicklungsphasen laufen, vom Baby, Kleinkind, Kind, Jugendlicher und irgendwann Erwachsene sind, erleben wir uns immer als ein Ich. Ich, das Baby, ich das Kind, ich der/die Jugendliche, ich, der/die Erwachsene. Das Ich eines Kindes ist nicht mehr das Ich eines Babys. Das Ich Gefühl eines Jugendlichen hat mit dem alten Ich des Kindes wenig zu tun. Das Erwachsene Ich ist nicht mehr das Ich eines Jugendlichen. Es ist trotzdem immer derselbe Ich-Bezugspunkt gewesen, in allen Phasen.        

Das Ich Bewusstsein ist die Fähigkeit, die Realität in einer selbstbezogenen Perspektive zu erleben.

Ich = mein Körper, meine Wahrnehmungen, meine Gedanken und Gefühle, meine Erlebnisse und Erfahrungen. Aufbauend auf diesen Ich-Erlebnisraum kommt es zu einer immer tiefer gehenden Identifikation, einem Lern – und Reifeprozess unserer menschlichen Ich Identität.

Das menschliche Ich ist daher größtenteils ein Konstrukt, ein Erzeugnis, das durch Erleben geformt wird und keine absolut feststehende Größe. Es wird sich aufgrund unserer Erfahrungen und diversen Lernprozessen im Laufe des Lebens ständig verändern. Außer natürlich, wir wollen uns nicht ändern und stur auf ein altes Bild von uns selbst beharren.

Die menschliche Identität ist aber keine Illusion, sie ist eine kreative Schöpfung. Und sie wird gelebt, alles was wir erleben wird persönlich erlebt. Am Ende ist es immer dasselbe Ich in allen Menschen, derselbe Ich-Bezugspunkt. Aber jeder erfährt sich anders. Gibt dem Leben oder den Umständen andere Bedeutungen. macht andere Erfahrungen, hat andere Überzeugungen gewonnen, bringt andere Ideen oder Möglichkeiten ein. 

Jeder von uns erschafft durch seine Erfahrungen und die persönlichen Bewertungen, die wir diesen geben, ein absolut eigenständiges, originales Ich, das es kein zweites Mal gibt.

Wir alle lieben diese “eindimensionalen Abziehbilder”, wie wir sie in Büchern und Filmen präsentiert bekommen. Hier der böse Mörder, dort der gute Kommissar, das unschuldige Opfer und zahllose schockierte Zeugen. Dass das so nicht ganz stimmen kann, ist uns meistens klar. Wir lassen uns aber dennoch gerne damit unterhalten.

Auch ein Mörder kann lieben, hat Ängste, Sorgen, hat vielleicht Kinder, wie eben auch Kommissare im echten Leben nicht immer Heilige sind oder Opfer eben nicht immer unschuldig sein müssen. Das echte Leben ist nun mal nicht eindimensional, sondern komplex und vielschichtig. So ist das auch mit unserer eigenen Identität und der von anderen Menschen. 

Die wirkliche Identität ist seelischer Natur und multidimensional. Mein Körper und ein Großteil meiner psychologischen Persönlichkeitsstruktur wird irgendwann sterben. Sie sind eine temporäre Erscheinung, die nach dem physischen Tode zerfällt. Wobei aber die Erfahrungen, die ich als genau dieser Mensch gemacht habe, erhalten bleiben. 

Das dualistische Seele-Mensch Dilemma

Eines der interessantesten Dinge, wozu wir als Mensch fähig sind, ist der Umstand, dass wir uns als Menschen Gedanken über uns selbst anstellen können. Wir besitzen die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Wir sehen nicht nur die grüne Wiese vor uns und den Baum, wir sind uns auch bewusst, dass wir selbst davor stehen. Und wenn wir nur schnell genug zum Baum hinrennen und mit dem Kopf dagegen stoßen, werden wir uns wahrscheinlich die Nase brechen.

Ich meine, hey, – wie real möchtest du es denn noch haben?

Die Fähigkeit, sich als ein menschliches Subjekt Gedanken über sich selbst als Objekt zu machen, – also auf etwas, worauf man sich bezieht, hat im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder die Frage entstehen lassen:

WER BIN ICH WIRKLICH?

Das hat unter anderem dann auch zu solchen Äußerungen geführt, wonach es einen selbst gar nicht gäbe und alles nur eine Halluzination bzw., Illusion sei. Der Grund für solche Schlussfolgerungen war natürlich die Erkenntnis bezüglich der sozialen Konditionierung. Sicher, es kann ein bisschen desillusionierend sein, wenn man erkennt, wie viele unserer Verhaltensweisen, Reaktionen, Überzeugungen und Standpunkte auf antrainierten, gelernten Prozessen beruhen, die wir im Rahmen der menschlichen Sozialisierung durchlebten.

Das hat ein bisschen was von hinter den Vorhang zu gucken, wo man die Tricks des Zauberkünstlers sieht. Das nimmt ein wenig die Magie weg. Und dann ist man irgendwie enttäuscht, wenn man versteht, wie es gemacht wird. Aber nicht sehr lange, weil es einer Anerkennung für die schiere Genialität weicht, mit der dieser ganze Prozess für eine menschliche Existenz möglich wird. Aber bei einigen führte die Erkenntnis über den Mechanismus zum Rückschluss – alles, alles, alles wäre einfach nur eine Illusion. Dieser falsche Rückschluss ist damit natürlich auch die Quelle für Ablehnung und Abwertung der menschlichen Erfahrung in manchen spirituellen Kreisen gewesen.

Diese Ansichten gibt es in der spirituellen Literatur bis heute. Auch wenn die Entdeckung des Mechanismus eine großartige Leistung war, die Rückschlüsse daraus waren es nicht. Sie haben es entweder vermieden, tiefer zu sehen oder waren vielleicht schlicht nicht fähig, erweiterndes Verständnis aufzubauen. Aber wer weiß, vielleicht war es aus evolutionärer Hinsicht noch gar nicht möglich, mehr zu verstehen. Warum auch immer – die schiere Tatsache der eigenen Existenz und Ichheit scheint als Beweis nicht ausgereicht zu haben. Und das führte zu zahllosen “Anbietern der Ichlosigkeit”.

Das Hauptproblem liegt in dem Schleier, der zwischen dem menschlichen Ich-Erleben und dem eigentlichen Ich-Sein existiert.

Um ein Bild zu benutzen – es existiert eine Art “Mauer oder Wand” zwischen der menschlichen Persönlichkeit, welche diese Erfahrung des Menschseins durchlebt und der seelischen Kernidentität. Diese “Mauer” sorgt dafür, dass wir uns vollständig auf die grade existierende Erfahrung fokussieren können. Während das “größere ICH” im Hintergrund die Fäden spinnt. Das macht natürlich Sinn: Während ich mir als der Mensch einfach nur dieser jetzigen Persönlichkeit bewusst bin, ist sich meine Seele ALLER je gelebten Leben, aller Persönlichkeiten und Erfahrungen bewusst. Das wäre auf der rein menschlichen Ebene nicht händelbar. Unser Gehirn würde dabei wahrscheinlich durchglühen.    

Das größere ICH, die Seele und das kleinere Ich, der Mensch, bilden eine Einheit. Es ist diese Einheit, welche die menschliche Erfahrung gewährt und ermöglicht.

Diese ICH-Ich Aufteilung ist aber gleichzeitig die Ursache vieler Missverständnisse. Da es für die menschliche Persönlichkeit eine breitere Perspektive der eigenen Existenz verhindert. Und damit die Unfähigkeit zur Erkenntnis, in eine größere Realität eingebettet zu sein. Es führte im weiteren zu einer Vielzahl an Religionen und seltsamen Gottesvorstellungen. Das ist natürlich ein ernsthaftes Dilemma gewesen.

In der heutigen Zeit scheint sich das langsam zu ändern. Heute hat jeder die Möglichkeit, wenn er nur lange genug die innere Arbeit dazu macht, sich seines seelischen Ursprungs zu erinnern oder zumindest bewusst zu werden. Diese “Mauer oder Wand”, die eine trennende Aufteilung zwischen ICH und Ich generiert, damit das menschliche Ich sich nur als dieser Mensch wahrnimmt, die kann “eingerissen” werden. Ja, ich weiß, das böse Wort – Arbeit. Tut mir leid, das bekommt man nicht einfach geschenkt. Es ist sehr viel Selbsterforschung und vor allem Selbsthinterfragung dafür nötig. Im Grunde wird dabei so vieles auf den Kopf gestellt, dass es sich wie ein Schleudergang anfühlt. Und es dauert Jahre. Aber es ist definitiv machbar. 

Nicht alle Menschen sind für diese Erfahrung bereit und es ist auch völlig legitim, sie jetzt nicht machen zu wollen. Das ist eine persönliche Wahl, die einem inneren Bedürfnis entspringt oder eben nicht. Es wird wahrscheinlich noch 3-4 (vielleicht aber auch mehr) Generationen dauern, bis dieses Verständnis zu einer kollektiven Gewissheit wird. Wir werden als Menschheit eines Tages mit der Unsitte aufhören, die höhere Ebene der Seele von der Menschlichkeit zu trennen. Das wird dann auch zu einigen gesellschaftlichen Veränderungen und Umwälzungen führen, weil neue Perspektiven, Ideen und neue Wahlmöglichkeiten das immer getan haben.

Die Erkenntnis, dass Ich und die Seele EINS sind, ist auch kein Grund für irgendeine Romantisierung. Es gibt Leute, die sich einiger vergangener Leben bewusst wurden. Bei vielen passiert das überhaupt nicht. Man wird sich auch nicht des vollen Umfangs der seelischen Identität bewusst, aber es führt zu einer persönlichen Gewissheit. Wenn das passiert, dann vergisst du das auch nicht mehr, sondern ist nun Teil deiner jetzigen Existenz. Es erlaubt einfach eine breitere Perspektive auf das jetzige Menschsein. Damit einher geht auch eine größere Verantwortung und größere Entscheidungsfreiheit. Die Tatsache deiner menschlichen Existenz und ein Ich zu sein bleibt bestehen. Solange, bis du hier den Löffel abgibst.

Gewöhne dich daran. Ohne dein Ich wärst du hier vollkommen nutzlos. 

Dass es auf der höheren Ebene kein Ich gibt, wie wir es als Menschen kennen, – geschenkt. Dass dieses menschliche Ich im nächsten Leben ein völlig anderes ist – auch geschenkt. Aber das ist weder eine plausible Grundlage dafür, seine Menschlichkeit abzulegen, noch rechtfertigt es den Versuch. Ich empfehle jedem, der daran zweifelt oder sich einreden ließ, es gäbe jenseits des Menschseins keine Persönlichkeit, die sich ihrer Selbst bewusst wäre, die Bücher von Dr. Michael Newton. Dr. Newton hat über 40 000 Menschen durch eine Hypnosetechnik in Vorleben, Zwischenleben auf der astralen Ebene und zu ihrem Seelenbewusstsein geführt.

Und von was reden die dann, wenn sie den Körper verlassen? Genau, sie sprechen in der ICH-Form. Aber als Seele hat man natürlich eine breitere, ausgedehntere Selbstwahrnehmung als ein Mensch. Aber jeder von uns hat diesen eingebauten intrinsischen Sinn für sich selbst. Und der kommt eben nicht nur davon, dass wir mit einem Körper identifiziert sind oder mentale Ich-Überzeugungen haben. Wir sind Schöpfer und spielen mit Identitäten. Wir tanzen mit der Dynamik, die zwischen einem Ich und einem Du – zwischen mir und anderen entsteht. Und mit der Dynamik einer äußeren und inneren Realität. 

Ich weiß, ich bin nicht zum ersten Mal hier und es wird auch nicht das letzte Mal sein.

Stay tuned

Until next time same station

Quellennachweise:

https://www.wissen.de/synaesthesie-eine-ganz-besondere-form-der-wahrnehmung

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@ Steven Black

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